Hnefatafl – das Spiel der edlen Nordmänner

Zwei Seiten mit unterschiedlichen Stärken. Vierundzwanzig Angreifer ziehen gegen einen König und seine zwölf Ritter. Der König muss eine der vier Burgen in den Ecken erreichen — die Angreifer versuchen das natürlich zu verhindern.

Bei uns liegt Hnefatafl im Lager auf dem Tisch. Setzt euch dazu, wir erklären euch gerne, wie das Spiel funktioniert. Eine Partie dauert bei Einsteigern etwa zehn bis zwanzig Minuten; wer sich einmal eingespielt hat, sitzt auch schon mal ein wenig länger daran.

Spielbrett von Vingólf Hnefatafl in Startaufstellung: heller König mit zwölf hellen Verteidigern in der Mitte, 24 dunkle Angreifer in vier Gruppen an den Rändern.
Unser Hnefatafl-Brett in Startaufstellung. Die Zeichen in den Ecken sind das Vereinswappen — die vier Burgen, die der König erreichen muss.

Ein Spiel von Angriff und Verteidigung

Die vierundzwanzig Wikinger ziehen aus, um ein fernes Land zu überfallen und sich an dessen Schätzen zu bedienen — natürlich ohne die Erlaubnis des Königs. Der bekommt es mit der Angst zu tun und befiehlt seinen Rittern, ihn, seine königliche Hoheit, sicher in eine seiner Burgen zu geleiten. Auf dem Weg dorthin kommt es zu spannenden Kämpfen und Auseinandersetzungen. Wird der König die Burg lebend erreichen? Werden die Ritter die Angreifer vertreiben?

Beide Seiten können angreifen oder abwarten, aggressiv spielen oder ihre Taktik mitten in der Partie wechseln. Weil jede Seite ihre eigenen Vor- und Nachteile hat, lohnt es sich, abwechselnd beide Seiten zu spielen und herauszufinden, wer der bessere Krieger ist.

Hnefatafl-Brett in der Abenddämmerung, von einer Oseberg-Lampe beleuchtet; die dunklen und hellen Holzfiguren stehen sich gegenüber.
Wenn es dunkel wird, spielt es sich am schönsten.

Woher das Spiel kommt

Tablut oder Hnefatafl wird in zahlreichen Schriften erwähnt, von der Edda über die Friðþjófs-Saga bis zur Orkneyinga-Saga. Man nimmt an, dass es bereits um 400 n. Chr. gespielt wurde.

Die Wikinger verbreiteten Hnefatafl im frühen Mittelalter in ganz Nordeuropa. Ab dem 11. oder 12. Jahrhundert wurde es dort zunehmend vom Schach verdrängt. Einen vollständigen Regelsatz für Tablut, einer Hnefatafl-Variante haben wir dem Botaniker Carl von Linné (1707–1778) zu verdanken, der es auf seiner Lapplandreise kennenlernte und die Spielregeln aufschrieb.

Unsere Variante: Vingólf Hnefatafl

Unser Brett ist eine Eigenentwicklung des Vereins auf 11 × 11 Feldern, abgeleitet von den Regeln des Linné-Tablut und sehr eng an das Copenhagen-Hnefatafl angelehnt, welches 2012 von Aage Nielsen, Adam Bartley und Tim Millar entwickelt wurde und als De-facto-Standard für heutige Turniere auf dem 11 × 11-Brett gilt. Es ist eine moderne Auslegung eines alten Spielprinzips, bewusst einfach gehalten und für den Einstieg gedacht — keine historisch belegte Rekonstruktion. Bretter und Figuren fertigen wir in eigener Werkstatt, die ihr an unserem Marktstand erwerben könnt. Wenn ihr es ausprobieren wollt, kommt gerne in unserem Lager vorbei.

Vingólf Hnefatafl auf einen Blick
Spieler2
SpieldauerDie Spieldauer ist abhängig von der Erfahrung der Spieler. Nach unserer Erfahrung benötigen Einsteiger etwa 10 bis 20 Minuten. Erfahrene Spieler benötigen etwas mehr Zeit.
AlterEs kommt mehr auf das strategische Verständnis und die Konzentrationsfähigkeit als auf das Alter an. Grundsätzlich würden wir aber sagen "ab 6 Jahren".
Spielbrett11 × 11 Felder, Thron in der Mitte, vier Burgen in den Ecken
Figuren1 König, 12 Verteidiger, 24 Angreifer
HerkunftEigenentwicklung des Vereins, abgeleitet vom Linné-Tablut und der Copenhagen-Variante

Die Regeln in Kürze

Diagramm der Startaufstellung: In der Mitte der König mit Krone auf dem Thron, umgeben von zwölf hellen Verteidigern in Kreuzform. An jeder der vier Randmitten sechs dunkle Angreifer auf den Feldern eines Langschiffs. In den vier Ecken die Burgen.
So beginnt jede Partie.
  1. Der König steht auf dem Thron in der Mitte, um ihn herum seine zwölf Ritter. Die 24 Angreifer stehen in vier Gruppen an den Randmitten, auf den Feldern der vier Langschiffe.
  2. Die Angreifer ziehen zuerst.
  3. Alle Figuren, auch der König, ziehen waagerecht oder senkrecht beliebig weit — nicht diagonal, und nicht über andere Figuren hinweg.
  4. Eine Figur ist gefangen und kommt vom Brett, wenn sie von zwei gegenüberliegenden Seiten eingeklemmt wird. Der König darf mit einkesseln, kann auf diese Weise aber nicht selbst gefangen werden.
  5. Wer freiwillig zwischen zwei Gegner zieht, dem passiert nichts. Die Falle muss zugehen — betreten darf man sie gefahrlos.
  6. Der König wird von vier Seiten gefangen. Steht er am Brettrand oder neben dem Thron, genügen drei.
  7. Die vier Eckfelder und der Thron sind Königsfelder und dürfen nur vom König besetzt werden. Die Ecken wirken dabei wie eine feindliche Figur: wer daneben steht, kann gegen die Ecke geschlagen werden.
  8. Die Verteidiger gewinnen, wenn der König eine Ecke erreicht. Die Angreifer gewinnen, wenn sie ihn einkesseln oder ihm alle Fluchtwege zum Brettrand abschneiden.

Das reicht, um mitzuspielen. Wer es genauer wissen will, findet die vollständige Anleitung als PDF zum Herunterladen (deutsch und englisch, etwa 1 MB).

Selbst ausprobieren

Bei uns im Lager. Kommt bei einem unserer Termine vorbei und setzt euch an unseren Tisch. Ein Brett steht immer bereit, und wir spielen gerne mit — oder halten uns raus, wenn zwei Gäste sich duellieren wollen. Hier stehen unsere nächsten Termine.

Online. Unsere Variante entsteht gerade als Onlinefassung: Vingólf Hnefatafl online spielen auf tafl.world. Dort gibt es auch das ausführliche Regelwerk, andere Tafl-Varianten und die Hintergründe zum Spiel.

Zwei Gäste in Mittelaltergewandung spielen Hnefatafl an einem Holztisch im Lager von Haus Vingólf; eine Spielerin setzt gerade eine Figur.
An unserem Tisch, an einem ganz normalen Markttag.

Und noch ein Spiel: Kaperfahrt

Neben Hnefatafl liegt bei uns auch Kaperfahrt auf dem Tisch — gespielt auf einem Brett in Form eines Langschiffs, mit Glassteinen und Würfeln. Schneller gelernt als Hnefatafl und gut für eine Runde zwischendurch.

Spielbrett von Kaperfahrt in Form eines Wikinger-Langschiffs aus hellem Holz, mit bunten Glassteinen in den Mulden und zwei Würfeln, auf einem Fell liegend.
Kaperfahrt — unser Spiel im Langschiff.