Kaperfahrt – wer macht fette Beute?
Zwei Würfel, ein Schiff voll Mulden und die Erlaubnis zu stehlen. Jeder Mitspieler bekommt ein eigenes Brett und fünfzehn Steine. Wer sein Dreieck zuerst vollständig belegt hat, gewinnt — und unterwegs darf man den anderen die Steine wieder abnehmen.
Kaperfahrt ist schnell erklärt, leicht verständlich und gut für eine Runde zwischendurch. Bei uns liegt es im Lager auf dem Tisch. Die Bretter fertigen wir in eigener Werkstatt.
Worum es geht
Die See ist rau, die Wege sind ungewiss — und jeder Würfelwurf kann den Verlauf der Fahrt entscheiden. Sammle Beute, überliste deine Mitspieler und sichere dir den größten Anteil am Schatz.
Das klingt nach mehr Drama, als das Spiel Regeln hat: Man würfelt, verteilt die Augen auf die Reihen seines Dreiecks und legt für jede Reihe einen Stein. Der Reiz steckt in zwei Dingen — der Entscheidung, wie man eine Augensumme aufteilt, und der Möglichkeit, sich die Steine bei den anderen zu holen, statt aus dem eigenen Vorrat zu nehmen.
Woher das Spiel kommt
Kaperfahrt beruht auf dem Würfelspiel THAX, entwickelt von Tim A. Novak. Von uns stammen das Brett in Schiffsform, die Ausstattung und die nordische Einkleidung, allerdings nicht die Spielidee.
Die Wurzeln dieser Idee reichen weit zurück. Seit Jahrhunderten nutzen Menschen Würfel, um ihr Glück herauszufordern und dabei kluge Entscheidungen zu treffen. Ähnliche Prinzipien finden sich in Shut the Box (18. bis 19. Jahrhundert), im Hazard (14. bis 17. Jahrhundert), in Tabula (4. bis 6. Jahrhundert) und schon in antiken römischen Würfelspielen.
Unsere Fassung: das Brett im Langschiff
Das Brett ist ein Langschiff aus hellem Holz: oben das Dreieck aus fünfzehn Mulden, unten im Schiffsbauch das längliche Vorratsfeld. Gespielt wird mit bunten Glassteinen und zwei Würfeln. Bretter und Steine fertigen wir in eigener Werkstatt; am Stand sind sie erhältlich.
| Spieler | zwei oder mehr — jeder braucht ein eigenes Brett |
|---|---|
| Spieldauer | Bei zwei Spielern etwa 10 Minuten. Mit jedem weiteren Mitspieler wird es länger. Wie lange eine Runde wirklich dauert, hängt aber vor allem davon ab, wie viel geklaut wird. |
| Alter | Grundsätzlich würden wir sagen "ab 6 Jahren". Es hängt davon ab, wie sicher die Kinder schon mit Zahlen umgehen und mit welchen Regeln gespielt wird. Jünger als drei Jahre sollten Mitspieler wegen der verschluckbaren Kleinteile nicht sein. |
| Material | je Spieler ein Brett und 15 Spielsteine, dazu zwei Würfel |
| Spielfeld | Dreieck aus 15 Mulden in fünf Reihen, dazu das Vorratsfeld |
| Herkunft | Eigenbau des Vereins, basierend auf dem Würfelspiel THAX von Tim A. Novak |
Die Regeln in Kürze
- Jeder Mitspieler nimmt ein eigenes Brett und legt seine 15 Steine ins Vorratsfeld. Dazu braucht es zwei Würfel — bei mehreren Mitspielern lohnen sich mehrere Würfelpaare.
- Ziel: das eigene Dreieck vollständig belegen. Auf jedes Feld kommt genau ein Stein.
- Die fünf Reihen haben unterschiedliche Wertigkeiten — von der Fünferreihe unten mit fünf Feldern bis zur Einerreihe oben mit einem Feld.
- Beide Würfel werfen, die Augen addieren und die Summe beliebig auf die
Reihen verteilen. Eine 3 und eine 4 ergeben 7, und daraus wird zum Beispiel:
- Fünferreihe + Zweierreihe
- Viererreihe + Dreierreihe
- Viererreihe + Zweierreihe + Einerreihe
- zwei Steine in die Dreierreihe + Einerreihe
- zwei Steine in die Zweierreihe + Dreierreihe
- Stehlen ist erlaubt. Bereits gesetzte Steine der Mitspieler darf man sich holen — aber nur in eine gleichwertige Reihe legen. Ein Stein aus der Dreierreihe eines Mitspielers darf also nur in die eigene Dreierreihe.
- Alles oder Nichts. Alle gewürfelten Augen müssen verwendet werden, und die Steine kommen entweder vollständig aus dem eigenen Vorrat oder vollständig von einem Mitspieler. Mischen ist nicht erlaubt.
- Passt kein regelkonformer Zug mehr, weil zu wenige Felder frei sind, verfällt der Wurf und der nächste Spieler ist an der Reihe.
Varianten
Vor dem ersten Wurf sollte man sich einigen, welche Zusätze gelten. Wir spielen je nach Runde und Laune anders:
- Pasch. Wer einen Pasch würfelt, verteilt die Augen wie gewohnt und darf anschließend noch einmal werfen.
- Direkt setzen statt addieren. Die gewürfelten Zahlen werden einzeln verwendet: eine 3 und eine 4 heißt ein Stein in die Dreierreihe und einer in die Viererreihe. Bei einer 6 darf die Reihe frei gewählt werden.
- Gelockertes „Alles oder Nichts". Es müssen nicht alle Augen verwendet werden, Steine aus dem eigenen Vorrat und geklaute dürfen gemischt werden, und man darf bei mehreren Mitspielern gleichzeitig stehlen.
Weitere Varianten könnt ihr euch selbst ausdenken — das Spiel nimmt es niemandem übel.
Das reicht, um mitzuspielen. Wer es genauer wissen will, findet die vollständige Anleitung als PDF zum Herunterladen (etwa 1,2 MB).
Selbst ausprobieren
Bei uns im Lager. Kommt bei einem unserer Termine vorbei. Die Bretter liegen auf dem Tisch, die Regeln sind in fünf Minuten erklärt, und für eine Partie ist immer Zeit. Hier stehen unsere nächsten Termine.
Und noch ein Spiel: Hnefatafl
Wer es strategischer mag und mehr Zeit hat, findet bei uns auch Hnefatafl — das Spiel der edlen Nordmänner, in dem 24 Angreifer einen König und seine zwölf Ritter jagen. Kein Würfel, kein Glück, dafür eine Weile Grübeln.